Das changes.AWARD Phasenmodell ist auf Grundlage des Design Thinking Prozesses entstanden. Es ist ein Ansatz zur Problemlösung bzw. zur Entwicklung neuer Ideen. Es hilft den Schülern strukturiert eine innovative und gut durchdachte Lösung zu finden und auszuarbeiten, ohne ihre Kreativität  einzuschränken.

 

Verstehen

Darum geht's:Probleme entdecken
und verstehen
Werkzeuge:Fragebogen
Literaturrecherche
Wettbewerbsanalyse

In dieser Phase geht es noch nicht um die Lösungsfindung, sondern darum, ein Problem zu finden, welches ihr mit eurer späteren Idee lösen wollt. Dieses Problem muss so formuliert sein, dass es ein Themenfeld und eine Suchrichtung vorgibt, gleichzeitig aber Freiheiten für verschiedenste Lösungsansätze zulässt.

Wie ihr Probleme finden könnt? Überlegt euch, welche Probleme ihr in eurem Alltag habt oder fragt bei Freunden, Bekannten oder Verwandten nach. Ihr könnt auch in den Nachrichten oder der Schule nach aktuellen Herausforderungen suchen. Oder ihr überlegt euch, ob ihr ein bestehendes Produkt oder eine Dienstleistung verbessern wollt. Ihr habt die freie Wahl. Wenn ihr ein Problem gefunden habt, für welches ihr eine Lösung entwickeln wollt, dann solltet ihr so viele Informationen wie möglich dazu sammeln (Daten, Studien, Analysen, Artikel). Dadurch erlangt ihr ein tiefes Verständnis für das Problem und dessen Tragweite und Umfeld.

Im nächsten Schritt überlegt ihr euch, wen genau dieses Problem betrifft, das ist vorerst eure Zielgruppe. Hört euch bei dieser Zielgruppe um, z. B. durch ein Interview oder führt eine Befragung durch. Es geht darum, ein tiefes Verständnis für die Zielgruppe zu gewinnen und zu verstehen, warum eine Lösung dieses Problems für sie sinnvoll wäre. Wie betrifft das Problem die Zielgruppe? Welche Schwierigkeiten hat sie damit? Gibt es bereits Lösungsansätze für das Problem, die aber noch nicht zufriedenstellend sind? Warum sind diese nicht zufriedenstellend? Ziel sollte es sein, dass jeder von euch das Problem genau verstanden hat und sich in die Zielgruppe hineinversetzen kann.

Ihr fragt euch, was euch tagtäglich stört. Dabei kommt ihr auf das Problem, dass ihr es nicht mögt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein. Ihr informiert euch über das Problem anhand von verschiedenen Quellen im Internet und führt anschließend Befragungen durch bei Personen, die häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren (z. B. Schüler, Studenten, ältere Leute, Einwohner in Großstädten, …).

Nun versteht ihr genau, wer eure Zielgruppe ist und aus welchen Gründen sie es stört auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein. Ebenso wisst ihr, warum sie eventuelle Alternativen (z. B. Fahrrad, Motorrad, Auto, …) nutzen bzw. wann sie diese nicht nutzen.
Ihr habt euren Problemraum nun genau definiert und wisst wie eure Zielgruppe in Bezug auf dieses Problem tickt.

Fokussierung

Darum geht's:Probleme und
Anforderungen definieren
Werkzeuge:Anforderungsanalyse
Personas anfertigen

Natürlich habt ihr jetzt schon ein grundsätzliches Problem gefunden und den dazugehörigen Problemraum genau erforscht. Dabei habt ihr sicherlich schon einige Ansatzpunkte für Verbesserungen gefunden. Definiert nun das spezifische Problem, welches ihr angehen wollt – konkretisiert in dieser Phase euer Problem.

Zudem müsst ihr gegebenenfalls eure Zielgruppe noch einmal neu überarbeiten (falls sich dabei etwas geändert haben sollte). Zusätzlich zur Zielgruppenbestimmung ist es hilfreich eine sogenannte Persona zu erstellen, die einen typischen Vertreter eurer Zielgruppe detailliert beschreibt. Es kann auch sinnvoll sein mehrere Personas zu erstellen, beispielsweise die zwei Extrema der Zielgruppe. Diese Personas könnt ihr euch im Projektverlauf immer wieder zur Hand nehmen, um euch schneller in die Zielgruppe einzufühlen. Außerdem könnt ihr immer wieder überprüfen, ob eure entwickelte Idee wirklich zielgruppengerecht entwickelt wurde oder was geändert werden sollte, damit sie die Bedürfnisse der Zielgruppe besser erfüllt.

Nun geht es um den wichtigsten Teil dieser Phase: Welche Anforderungen muss eure Lösungsidee erfüllen, um das Problem zu lösen? Schaut euch dazu auch die gesammelten Informationen aus Phase „Verstehen und Beobachten“ an. Ihr könnt auch die Schwachstellen der schon bestehenden Alternativen genau betrachten und daraus Anforderungen an eure Lösungsidee ableiten.

Ihr habt bei euren Befragungen festgestellt, dass es die meisten Befragten stört auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen zu sein, weil sie dadurch zu unflexibel sind. Sie bringen die Menschen immer nur zu bestimmten Zeiten auf bestimmten Routen an bestimmte Orte. Genau auf dieses Problem einigt ihr euch als Gruppe: Öffentliche Verkehrsmittel sind zu unflexibel. Ihr habt daraufhin festgestellt, dass die Zielgruppendefinition sich in diesem Fall nicht ändert. Zudem habt ihr 3 Personas erstellt, da eure Zielgruppe sehr breit ist: Ihr habt deshalb jeweils eine Persona für einen Studenten, eine Rentnerin und einen Großstadtbewohner mittleren Alters entwickelt.

Um die Anforderungen an eure Problemlösung zu ermitteln, habt ihr euch folgende Frage gestellt: Welche Alternativen zu öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es derzeit und wie lösen diese die in der vorherigen Phase identifizierte Unflexibilität öffentlicher Verkehrsmittel? Der Übersichtlichkeit halber stellt ihr dies in einer Tabelle dar.

Nun seht ihr, welche Alternative wo ihre Schwachstelle hat und wo ihr daher mit einer Lösungsidee ansetzen könntet.

Jetzt leitet ihr die Anforderungen an ein mehr Flexibilität bietendes Verkehrsmittel ab, welche eure Lösung erfüllen soll. In diesem Fall soll eure Lösung folgende Anforderungen erfüllen:

  • hoher Komfort
  • Unabhängigkeit von anderen
  • Unabhängigkeit vom Wetter
  • Erreichbarkeit von abgelegenen, weit entfernten Orten
  • zeitlich flexible Nutzbarkeit
  • geringe bis sehr geringe Anstrengung nötig
  • geringe Kosten

Ideen sammeln

Darum geht's:Lösungsideen finden
Werkzeuge:635 Methode
ABC Methode

Jetzt müsst ihr kreativ werden. Setzt euch im Team zusammen und überlegt euch Lösungsideen. Wendet verschiedene Kreativitätsmethoden an, um eine Vielzahl an Lösungsansätzen zu finden, die möglichst vielen der von euch definierten Anforderungen gerecht werden. Erst einmal ist keine Lösungsidee zu abwegig, verrückt oder zu dumm, denn sie ermöglicht euch in jedem Fall neue oderandere Denkweisen zu entwickeln. Manchmal können auch einfache Visualisierungen, also z. B. Skizzen, Bilder und Filme dabei helfen neue Ideen und Kombinationen zu entwerfen. Seid kreativ und lasst euren Gedanken freien Lauf!

Die einzelnen Lösungsansätze priorisiert ihr im nächsten Schritt gemeinsam in der Gruppe. Wie ihr die Lösungen bewertet liegt ganz bei euch. Es empfiehlt sich natürlich die identifizierten Anforderungen aus der vorherigen Phase dafür zu nutzen. Hier einige Beispiele nach welchen Kriterien ihr sie bewerten könnt:

  • Erfüllungsgrad der Anforderungen aus der Phase „Fokussierung“
  • Neuartigkeit
  • Umsetzbarkeit
  • Passung zur Zielgruppe
  • vermutete Wirtschaftlichkeit
  • Nachhaltigkeit
  • zusätzlich Vorteile
  • mögliche Nachteile

Spätestens jetzt solltet ihr euch auch über das Wort „Nachhaltigkeit“ Gedanken machen. Informiert euch also darüber, was Nachhaltigkeit alles sein kann. Schaut euch dafür auch den Bewertungskatalog der Jury an. Denn Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf Umweltbewusstsein.

Nachhaltigkeit setzt sich aus sich überschneidenden Elementen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit zusammen. Inwieweit erfüllt die Lösung mit der höchsten Priorität die drei Nachhaltigkeitsdimensionen (Ökonomie, Ökologie, Soziales)? Ist eure Idee für euch noch nicht nachhaltig genug, dann passt die Lösung diesbezüglich an, schaut euch die Lösung mit der Priorität 2 an oder sucht nach neuen Lösungen.

Schauen wir uns das mal am Beispiel Zug an:

Ökologie

  • Zielgruppe vorhanden und relativ groß
  • Nachfrage wird auch zukünftig bestehen

Soziales

  • Bringt Menschen an verschiedene Orte
  • Erfüllt daher das Bedürfnis nach Mobilität für viele Kunden
  • Schafft Arbeitsplätze

Ökonomie

  • Energie- und Ressourcenverbrauch pro Kopf ist geringer als in einem PKW
  • Weniger Schadstoffemissionen

Eure ausgewählte Idee muss nicht perfekt alle Nachhaltigkeitsdimensionen erfüllen. Das ist nahezu unmöglich. Beschreibt in eurem Steckbrief warum eure Idee nachhaltig in jeder der drei betrachteten Dimensionen ist. Jede Lösungsidee kann nachhaltig sein – diskutiert im Team wie ihr das hinbekommt.

 

Ihr versucht einige Lösungsideen zu generieren, aber merkt aber, dass ihr Probleme habt eine neuartige Idee zu finden. Daher probiert ihr zwei Kreativitätstechniken in der Gruppe aus – die ABC Methode und die 635 Methode. So findet ihr einige kreative, neuartige Ideen zur Lösung eures Problems. Anhang der vorher gewünschten Anforderungen an die Lösung priorisiert ihr sie dann in einer Liste.

Als am vielversprechendsten scheint euch die Idee eines Carsharing-Modells (natürlich gibt es die schon, aber wir gehen in diesem Beispiel mal davon aus, dass ihr diese tolle Idee als erste hattet. Grundlage ist die Idee, dass mehrere Menschen sich ein Auto teilen). Nach einer Recherche im Internet seht ihr, dass es die Idee bisher noch nicht auf dem Markt gibt und sie daher neuartig ist. Daraufhin überprüft ihr, inwiefern diese Lösung die Anforderungen aus der Phase „Fokussierung“ erfüllt. Ihr stellt erfreut fest, dass eure Idee schon alle Anforderungen erfüllt, wenn auch mit Einschränkungen (z. B. die Erreichbarkeit von abgelegenen, weit entfernten Orten ist mit relativ hohen Mietkosten verbunden und die zeitliche Unabhängigkeit in Stoßzeiten wird nicht immer erfüllt sein).

Nun überprüft ihr das von euch entwickelte Konzept auf die drei Nachhaltigkeitsdimensionen anhand des Bewertungskatalogs. Ihr seid mit dem Ergebnis äußerst zufrieden, auch wenn ihr nicht die volle Punktzahl erreichen werdet, da sie z. B. nur sehr wenige Arbeitsplätze schaffen wird. Zusätzlich nehmt ihr noch Elektroautos in euren Fuhrpark auf, um die ökologische Nachhaltigkeit noch etwas zu erhöhen. Ihr macht euch jetzt schon einige Gedanken dazu, wie ihr beschreibt, wie eure tolle Idee die einzelnen Dimensionen erfüllt. Genau das erklärt ihr nämlich in eurer Erstabgabe und schreibt es dafür schon mal

Lösung entwickeln

Darum geht's:Lösung und
Modell entwickeln
Werkzeuge:Businessplan
Erstellung von Grafiken

Ihr habt euch für eine Lösungsidee entschieden und diese muss im nächsten Schritt konkret ausgearbeitet werden. Besprecht und plant in der Gruppe, wie die Lösung genau gestaltet werden soll und welche verschiedenen Funktionen sie besitzt. An dieser Stelle könnt ihr auch Skizzen oder Ablaufdiagramme erstellen. Das kommt natürlich ganz drauf an, was ihr für eine Idee entwickelt habt.

Ihr könnt jetzt auch noch einmal eure entwickelten Personas zur Hand nehmen, um zu überprüfen, ob die entwickelte Idee wirklich zu eurer Zielgruppe passt. Ihr könnt auch Befragungen durchführen: Geht zur potenziellen Zielgruppe und stellt euer Konzept vor. Am besten ihr habt Skizzen, ein gebautes Modell oder Ähnliches dabei, um es anschaulicher für die Befragten zu machen. So könnt ihr ehrliches Feedback eurer Zielgruppe erhalten und bekommt vielleicht noch einige Tipps, wie ihr eure Idee noch weiter perfektionieren könnt.

Jetzt wartet nur noch eine Aufgabe auf euch, die zu Beginn vielleicht etwas erschlagend wirkt, aber lasst euch davon nicht abschrecken! Die Erstellung des Businessplans. Wenn ihr nicht weiterkommt, dann fragt bei eurem Lehrer, Coach, Eltern oder Bekannten um Rat. Auch im Internet findet ihr viele Tipps zur Erstellung eines Businessplans. Einen Businessplan sollte jeder Gründer erstellen und es ist wirklich kein Hexenwerk. Ihr solltet aber sorgfältig und genau arbeiten, damit eure entwickelte Idee später vor der Jury standhalten kann und bei der finalen Präsentation keine wichtigen Fragen offen bleiben. Nehmt euch das Werkzeug „Businessplan“ zur Hand und arbeitet alle Punkte ab. Erkennt ihr Schwachstellen, die ihr überarbeiten möchtet, dann tut das. Verbessert euer Produkt ruhig noch einmal. Auch wenn es sich wie ein Rückschritt anfühlt, ist dieser Prozess ganz normal und ein gutes Zeichen dafür, dass ihr am Ende eine hochwertige Lösung ausarbeitet.

Tipp: wenn ihr euren Businessplan im Finale präsentiert ist es immer praktisch etwas zur Anschauung dabei zu haben. Vielleicht könnt ihr ein Modell/Prototyp eures Produktes erstellen, ein kleines Video drehen oder eine kleine Szene spielen. Ein Werkzeug mit einigen Tipps zum Auflockern eurer Präsentation findet ihr in den Werkzeugen dieser Phase.

In der Gruppe setzt ihr euch zusammen und besprecht, wie das Carsharing-Modell genau aussehen soll. Was soll möglich sein und was nicht? Wie funktioniert das Mieten der Autos, ohne dass ein Mitarbeiter des Unternehmens vor Ort sein muss? Wie werden die Kosten für den Mieter abgerechnet? Und wie soll das Produkt überhaupt heißen? Diese und weitere Fragen stellt sich die Gruppe und beschreibt eure Lösung damit möglichst detailliert.

Wenn das Konzept fertig entwickelt ist, nehmt ihr euch die drei Personas noch einmal zur Hand. Haben diese Personen Interesse an meinem Produkt? Sollte das Konzept noch einmal angepasst werden, damit es wirklich die Bedürfnisse der Zielgruppe erfüllt? Zur Veranschaulichung dreht ihr ein Video, in dem eines eurer Gruppenmitglieder zeigt, wie das Konzept später funktionieren soll. In der Bahn zeigt ihr das Video einigen Fahrgästen und fragt sie nach ihrer Meinung. Dadurch bekommt ihr noch einige Anregungen, was ihr noch verbessern bzw. verfeinern solltet.

Nun möchtet ihr den Businessplan erstellen und merkt, dass ihr einige Punkte schon geklärt habt, z. B. die Definition der Zielgruppe. Die restlichen Punkte arbeitet ihr aus. Zur Überprüfung des Businessplans zieht ihr euren Lehrer bzw. den Coach zu Rate und den Investitions- und Finanzplan lasst ihr im professionellen Finanzcheck oder von Bekannten überprüfen. Ihr überarbeitet die so aufgedeckten Schwachstellen bzw. Kalkulationsfehler und finalisiert den Businessplan.

Zudem erstellt ihr eine ansprechende Präsentation und probt diese erst in der Gruppe und dann vor eurem Lehrer, vielleicht sogar vor der ganzen Klasse oder Schule, und vor eurem Coach.